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Unterleibsschmerzen

Schmerzen im Unterleib oder Unterbauch können vielfältige Ursachen haben, je nachdem ob sie akut oder chronisch auftreten, Frauen oder Männer betroffen sind


Wärme tut Bauch und Unterleib gut

Eine Frau, die sich mit der Wärmflasche auf dem Bauch aufs Sofa kuschelt, ist ein vertrautes Bild. Für viele Menschen sind Unterleibsschmerzen immer noch gleichbedeutend mit Frauenleiden, also mit Beschwerden, die in erster Linie die weiblichen Geschlechtsorgane betreffen. Dabei sind Schmerzen im Unterleib, Mediziner sprechen heute korrekter von Unterbauch, nicht nur Frauensache. Auch Männer können Beschwerden im unteren Drittel der Bauchregion haben.

Der Unterleib umschließt die inneren Organe, die im Becken liegen. Das sind die Geschlechtsorgane, die Harnblase mit der Harnröhre und den weiter hinten einmündenden Harnleitern, der Blinddarm sowie die unteren Darmanteile. Auch Gefäße, Nerven, Lymphknoten und Bindegewebe finden sich hier reichlich.


Die obersten Rundungen der Beckenknochen lassen sich vorne seitlich meist gut ertasten. Hier vom rechten zum linken Beckenkamm verläuft die ungefähre, gedachte Line, die den Unterbauch nach oben abgrenzt. Den unteren Abschluss bildet der Beckenboden. Die rechte und linke Seite heißt auch Leistengegend, in der unteren Mitte liegt die Schamhaargegend.

Wo und wie tut es weh?

Schmerzen halten sich natürlich nicht immer streng an anatomische Grenzen, sie können von unten in obere Bauchzonen oder den Rücken ausstrahlen oder umgekehrt, sich von oben nach unten fortsetzen. Manchmal lassen sie sich jedoch auch gut zuordnen, sie treten deutlich in einer Leistengegend auf oder eher in der Mitte oder in Beckenbodenbereich.

Neben dem Ort der Schmerzen liefert der Schmerzcharakter, also, wie sich ein Schmerz äußert, ob er etwa dumpf oder bohrend, wellenartig, stechend, schneidend oder krampfartig ist, dem Arzt oft wichtige Hinweise für die Diagnose. Er achtet zudem darauf, wie der Bauch sich anfühlt und welche Symptome dazukommen, etwa Ausfluss, Blutungen, Fieber, Verdauungsprobleme (siehe Kapitel „Diagnose“).

Frauenschmerzen

Zu den typischen Unterleibsschmerzen gehören die Regelschmerzen, die viele Frauen vor und während der Periode spüren, als Ziehen im Unterleib oder im Kreuz oder als krampfartige Schmerzen. Sie sind individuell sehr unterschiedlich, meist nicht krankhaft und verändern sich vielfach, je nach Lebenssituation und -phase.

Einige Frauen haben auch ziehende Schmerzen an ein bis zwei Tagen zwischen der Menstruation, nicht selten auf einer Seite oder über der Schamhaargegend. Dieser Mittelschmerz markiert häufig den Eisprung. Wer damit zu tun hat, sollte jedoch, auch wenn keine weiteren Symptome dazukommen, mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt darüber sprechen, um sicher zu gehen, dass keine anderen Probleme die Ursache sind. Denn hinter akuten oder chronischen Beschwerden können sich Entzündungen und Erkrankungen der Geschlechtsorgane oder der Harnwege verbergen. Und manchmal müssen diese rasch behandelt werden (siehe Kapitel „Frauenleiden“ und „Harnwege“).

Setzen bei einer Frau Schmierblutungen und Unterleibsschmerzen ein, vor allem wenn zuvor die Regel ausgeblieben war, wird der Arzt eine Eileiterschwangerschaft ausschließen.

In einer Schwangerschaft gilt ohnehin erhöhte Vorsicht, wenn sich etwas im Bauch verändert. Unterbauchschmerzen können bei werdenden Müttern spezielle Gründe haben, harmlose, aber auch alarmierende, die der Frauenarzt umgehend abklären wird. Auf mögliche Ursachen wird in diesem Beitrag nicht eingegangen.

Akute Schmerzen

Beschwerden im Unterbauch können akut auftreten. Sie zeigen dann entweder eine vorübergehende, eher harmlose Störung an oder sie sind Alarmzeichen, die ein Arzt sofort abklären sollte. Das gilt insbesondere, wenn sie sehr heftig sind und zusätzlich Symptome wie Fieber, Übelkeit, Verdauungsstörungen wie Durchfälle oder Verstopfung, Schmerzen beim Entleeren der Blase und/oder Blutungen dazukommen. Ursachen sind häufig akute Entzündungen, etwa des Blinddarms oder Darmes, der Eileiter oder Eierstöcke oder der Harnwege. Auch Harnsteine oder Verdrehungen sowie Durchbrüche von Geschwülsten oder Darmanteilen sind mitunter bedrohliche Auslöser.

Chronische Schmerzen

Von chronischen Unterleibsschmerzen sprechen Mediziner, wenn die Beschwerden über ein halbes Jahr bestehen. Sie können in bestimmten Situationen immer wieder auftauchen oder sich mehr oder minder dauerhaft einnisten.

Bei chronischen Schmerzen sind die Ursachen vielfältig. Probleme bereiten dann häufig chronische Entzündungen und Erkrankungen der Geschlechtsorgane, der Harnwege, des Verdauungstrakts, vor allem des Dickdarms (siehe entsprechende Kapitel). Ebenso ist an Tumorerkrankungen der einzelnen Organe zu denken. Darüber hinaus können Störungen in den Nerven, Muskeln oder der Wirbelsäule für Unterbauchschmerzen verantwortlich sein.

Nicht selten sind auch psychische Probleme oder Erkrankungen wie Depressionen mit körperlichen Symptomen wie chronischen Unterleibsschmerzen verbunden. Mitunter haben gerade Frauen mit ungeklärten Beschwerden im Unterbauch dann zahlreiche Arztbesuche und operative Eingriffe hinter sich, ohne eine eindeutige Diagnose zu erhalten. Im Gegenteil, mögliche Operationsfolgen wie Vernarbungen können die Schmerzen nur noch verstärken (siehe Kapitel „Psyche“).

Wann zum Arzt?

Unterleibsschmerzen sollte immer ein Arzt abklären, und das unverzüglich, wenn die Schmerzen plötzlich und heftig einsetzen, Fieber und/oder Blutungen dazukommen. Neben dem Hausarzt sind der Frauenarzt, bei Männern der Urologe, erste Ansprechpartner. Gefragt ist zudem oft ein Facharzt für Magen-Darm-Erkrankungen (Gastroenterologe), möglicherweise auch ein Orthopäde, ein Neurologe oder ein Psychiater beziehungsweise ein Psychotherapeut, nachdem eine organische Ursache ausgeschlossen wurde.

Überblick über die wichtigsten Ursachen von Unterleibsschmerzen

(mit oft typischen Begleitsymptomen)

Frauenleiden

  • Chlamydieninfektionen (häufig mit Ausfluss, Problemen beim Wasserlassen und Stuhlgang, Schmerzen oft bis in den Oberbauch)
  • Entzündungen der Gebärmutter (mit Ausfluss, Blutungen außerhalb der Regel)
  • Eileiter-, Eierstockentzündung (Adnexitis) (oft mit Fieber, Ausfluss, Zwischenblutungen)
  • Eitrige Gewebeeinschmelzung (Abszess)
  • Stieldrehung, Durchbrechen von Zysten am Eierstock beziehungsweise Tumoren (akute Schmerzen)
  • Myome, Polypen in der Gebärmutter (oft mit Blutungsstörungen)
  • Endometriose (oft mit Zwischenblutungen, heftige Regelschmerzen)
  • Eileiterschwangerschaft (Ausbleiben der Regel, anschließend Unterleibsschmerzen, Schmierblutungen)
  • Fehlgeburt, Abgang (starke Blutungen)
  • Gebärmutterhalskrebs, Gebärmutterkrebs (stark riechender Ausfluss, Blutungen außerhalb der Regel, nach der Menopause)
  • Eierstockkrebs
  • Operationsfolgen
  • Fehlbildungen
  • Scheidenverengungen
  • Krampfadern im Becken (Beschwerden oft auch in den Beinen, Schweregefühl, Schmerzen bei langem Sitzen oder Stehen)
  • Rückwärts geneigte Gebärmutter, Gebärmuttersenkung

(siehe Kapitel „Frauenleiden“)

Darmprobleme, Darmerkrankungen

(siehe Kapitel „Darmprobleme“)

Harnwegsprobleme

  • Blasenentzündungen (Schmerzen und Probleme beim Wasserlassen)
  • Blasensteine
  • Harnleitersteine, Koliken, Sperren (heftige, krampfartige Schmerzen, Übelkeit, blutiger Urin möglich)
  • Nierensteine
  • Nierenbeckenentzündung (Schmerzen in der Flanke, Schüttelfrost, Fieber, ausgeprägtes Krankheitsgefühl)
  • Reizblase (Urethralsyndrom) (Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen)
  • Neurogene Blasenfunktionsstörungen (Form der Harninkontinenz)

(siehe Kapitel „Harnwege“)

Weitere Ursachen

  • Hodentorsion (Schmerzen im Hoden, in der Leistengegend, Hodenverfärbung)
  • Chronische Prostataentzündung (vor allem junge Männer; meist Harnentleerungsstörungen)
  • Samenblasenentzündung (Probleme beim Wasserlassen)
  • Krampfadern, Thrombose der Bein- oder Beckenvenen (mögliche Warnzeichen: neben den Schmerzen auch Schwellungen im Bein, in der Leiste, Wärmegefühl, bläulich verfärbte Haut)
  • Bandscheibenvorfall (ziehende Schmerzen im Kreuz, die ins Bein ausstrahlen können, Lähmungserscheinungen)
  • Wirbelsäulenschäden
  • Fibromyalgie (Schmerzen in Muskeln und Gelenken)

(siehe Kapitel „Weitere Ursachen“)

Psychische Störungen

  • Stress, Burn-out (typische Stress- beziehungsweise Burn-out-Symptome)
  • Sexuelle Probleme
  • Traumata (zum Beispiel nach Missbrauch)
  • Depressionen, Persönlichkeitsstörungen (jeweils typische psychische Symptome)
  • Somatoforme Störungen (weitere körperliche Beschwerden)

(siehe Kapitel „Psyche“)

In den nachfolgenden Kapiteln finden Sie weitere Informationen zu wichtigen Untersuchungsschritten und zu den Ursachen (siehe Kapitelübersicht am Anfang des Textes).

 


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de; 15.09.2010, aktualisiert am 15.05.2012
Bildnachweis: Thinkstock/Goodshot

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